Wie Zeit gemacht wird
Wie baut man mechanische Zeitmesser? Ganz einfach – zumindest in der Theorie. Klar ersetzt ein Text keine Uhrmacherlehre, Sie können nach der Lektüre weder die notwendigen Werkzeuge noch Kaliberteile konstruieren. Verstehen, wie eine Uhr aufgebaut ist und dass das Bauen von Armbanduhren sehr viel Arbeit macht, wenn man es richtig macht, das jedoch schon.
Wie NOMOS-Uhren bei uns in Glashütte entstehen, haben wir daher in sieben großen Schritten zusammenzufassen versucht. Von der ersten Konstruktionszeichnung bis zur Marktreife, bis die Uhr in die Welt geschickt werden kann, vergehen dabei übrigens nicht selten Jahre. Und das ist vielleicht die wichtigste Lektion: Wer Uhren baut, braucht Geduld, braucht Zeit.
1.
Das Werk wird konstruiert: eine einigermaßen komplizierte Angelegenheit. Kräfte und Toleranzen müssen berechnet, Verzahnungen geplant, Platinen, Brücken und Kloben gezeichnet werden. Ein Prototyp entsteht – und durchaus auch mehrere. Was auf dem Papier funktioniert, erweist sich gebaut mitunter als Trugschluss. Neue Überlegungen, neue Zeichnungen, neue Maße. Das Federhaus muss größer werden, die Räder und Triebe wollen sich aber nicht enger zusammenrücken lassen? Ein gutes Werk hat viele Entwicklungsstufen durchlaufen, bevor die Fertigung wirklich beginnt.
2.
Parallel zu diesen Arbeiten der Konstrukteure, Werkzeug- und Uhrmacher zeichnen andere: Das Gehäuse der neuen Uhr entsteht zunächst auf dem Bildschirm. Manchmal auch auf Bierdeckeln in Kneipen oder auf Kantinenservietten. Die Designer fragen sich: Was wäre die neue Uhr, wenn sie ein Auto wäre, ein Möbel oder Schmuckstück? Was verbindet eine Uhr mit einem fein gefassten Diamanten? Was mit der Arena eines Fußballstadions? Auch hier werden Muster gebaut.
Mittlerweile gibt es Drucker, die Arbeiten in 3D drucken können – Uhrenformen in hellem Kunststoff, der sich lackieren lässt. An diesen Modellen sehen die Gestalter schon recht genau: Ist die Lünette zu fein? Sind die Anstöße zu rund? Wie verläuft die Drehung, die zum Gehäusekörper überleitet? Es ist ein Kampf um Bruchteile von Millimetern, um Materialien, um deren Oberflächen.
3.
Mit Zifferblatt- und Gehäuseherstellern werden erste richtige Muster gebaut; in der Regel folgt ein längeres Hin und Her zwischen diesen, den NOMOS-Konstrukteuren, dem Verkauf und den Designern. Wenn alles stimmt, funktioniert und gefällt, wenn das Werk feststeht und eine Nullserie gefertigt ist, wird bestellt: Rohmaterial für Platinen und Brücken, also Messing und Stahl. Die Metalle werden gestanzt, getempert, entspannt und auf Tausendstel Millimeter feingeschliffen – Arbeitsgänge, die Monate benötigen. Arbeitsgänge jedoch auch, die Voraussetzung dafür sind, dass NOMOS-Uhren ganz genau gehen.
Zum Start des Serienbaus werden Stahl- und Messingstangen von drei Metern Länge angefertigt, und aus diesen schneiden die Werkzeugmacher Drehteile – etwa Pfeiler, Triebe, Buchsen – für die künftigen Kaliber. Platinen und Brücken, aber auch Stahlfedern werden gefräst, gebohrt und erodiert.
Triebe, Pfeiler, Buchsen und Räder müssen teils gehärtet und auch verzahnt, poliert und rolliert werden. Erst dann kommt der Schliff: Für feinste Glashütter Provenienz stehen Perlagen wie Streifen- und Sonnenschliffe. Nun werden alle Uhrmacher auf neue Werkzeuge und Teile geschult. Der Bau der Serie kann beginnen.
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